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GlĂźcksspiel
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GlĂźcksspiele (manchmal auch Hasardspiele, von franzĂśsisch hasard bzw. nach traditioneller Rechtschreibung Hazardspiele, von englisch hazard âZufallâ, abgeleitet von arabisch az-zahrâ SpielwĂźrfelâ (Mehrzahl), siehe Hazard (WĂźrfelspiel) genannt) sind Spiele, bei denen gegen Zahlung eines Einsatzes eine Ăźberwiegend oder ausschlieĂlich vom Zufall abhängige Gewinnchance versprochen wird.
Contents
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⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Abgrenzung von GlĂźcksspielen
Der Einfluss des Zufalls kann bei Spielen sehr unterschiedlich ausfallen. Bei den sogenannten reinen GlĂźcksspielen, wie zum Beispiel Roulette, Craps oder Sic Bo, hängt das Ergebnis ausschlieĂlich vom Zufall ab. Weniger eindeutig quantifizierbar ist der Einfluss des Zufalls in Spielen, in denen auch die Teilnehmer durch ihre Entscheidungen das Spielergebnis maĂgeblich beeinflussen kĂśnnen wie bei Backgammon und Black Jack. In qualitativer Hinsicht gilt allerdings, dass der Einfluss des Zufalls gemäà dem Gesetz der groĂen Zahlen bei langen Partiesequenzen abnimmt.cite-ref-1[1]
Bei der rechtlichen Bewertung, ob ein GlĂźcksspiel vorliegt, sind noch weitere Faktoren zu berĂźcksichtigen, insbesondere den Wert von Einsatz und mĂśglichen Gewinnen betreffend. AuĂerdem sind bei Turnierveranstaltungen wie zum Beispiel einem Pokerturnier die gesamten Turnierregeln inklusive des fĂźr die Endauswertung verwendeten Verfahrens maĂgeblich,cite-ref-2[2] wie sie in rechtlicher Hinsicht im Spielvertrag bzw. mathematisch-formal in der spieltheoretischen Modellierung festgelegt sind. Bestandteil dieser Festlegungen sind auch Angaben Ăźber die Anzahl der Mitspieler und Ăźber den Umfang an Informationen, die einem Spieler zum Zeitpunkt einer Spielentscheidung zugänglich sind, zum Beispiel in Form ihm bekannter Karten in Kartenspielen.
Spiele, deren rechtliche Einstufung als GlĂźcksspiel zur Debatte stand, waren allesamt Nullsummenspiele im Sinne der Spieltheorie (und nicht etwa zum Beispiel kooperative Spiele), d. h. die Summe der (positiven) Gewinne von Spielern ist betragsmäĂig stets gleich der Summe der Verluste der anderen Spieler. Das schlieĂt den Fall des Spiels eines einzelnen Spielers gegen einen Automaten oder gegen einen Bankhalter ein, der nach einem fest vorgegebenen Schema agiert (wie beim Black Jack).cite-ref-3[3]cite-ref-4[4] Dazu muss der Veranstalter als zweiter Spieler gewertet werden, der allerdings fĂźr seine Gewinne kein Geschick aufzuwenden hat, was die deutsche Rechtsprechung als Verringerung des relativen Geschicklichkeitseinflusses wertet.cite-ref-5[5]
Spieltheoretische Abgrenzung von GlĂźcksspielen
Innerhalb der spieltheoretischen Klassifikation von Gesellschaftsspielen bilden die GlĂźcksspiele eine von drei Klassen reiner Spiele, die aus spielerischer Sicht durch die Ursachen fĂźr die Unvorhersehbarkeit des Spielverlaufs charakterisiert sind und den folgenden Kriterien entsprechen:cite-ref-6[6]cite-ref-menzer-7-0[7]cite-ref-8[8]
⢠Sehen die Spielregeln Zufallsentscheidungen vor, beispielsweise mit Hilfe eines Wßrfels?
⢠Gibt es, anders als bei Schere, Stein, Papier, sequentielle Entscheidungen von Spielern im Rahmen von Zugfolgen, so dass fĂźr diese Zugfolgen eine vergleichsweise groĂe Anzahl von Kombinationen mĂśglich wird?
⢠Gibt es Spielsituationen imperfekter Information, in denen die Spieler wie zum Beispiel bei Kartenspielen wie Skat unterschiedliche Informationen ßber den bisherigen Spielverlauf besitzen?
Dabei sind reine GlĂźcksspiele dadurch charakterisiert, dass die erste Frage zu bejahen und die beiden anderen Fragen zu verneinen sind. Zu bejahende Fragen erlauben darĂźber hinaus im direkten Vergleich von Spielen ungefähre, den Spielcharakter widerspiegelnde Quantifizierungen, beispielsweise dahingehend, dass bei Backgammon der Einfluss der Spieler durch eine hĂśhere kombinatorische Vielfalt mĂśglicher Zugfolgen grĂśĂer ist als bei Mensch ärgere Dich nicht. In Folge ist der Zufallseinfluss bei Backgammon relativ niedriger als bei Mensch ärgere Dich nicht (siehe Abbildung).
Nicht durch die Klassifikation abgedeckt sind Faktoren der manuellen Geschicklichkeit oder Reaktionsschnelligkeit, die allerdings bei Gesellschaftsspielen â anders als beim sportlichen Spiel â eher die Ausnahme sind, zum Beispiel bei Mikado beziehungsweise Speed.
Rechtliche Abgrenzung von GlĂźcksspielen
Da Glßcksspiele in den meisten Ländern rechtlichen Restriktionen unterworfen sind, ist die rechtliche Abgrenzung von Glßcksspielen Gegenstand von diversen, von Land zu Land unterschiedlichen Rechtsnormen und Gerichtsurteilen. Als komplementär zu den Glßcksspielen gelten Geschicklichkeitsspiele (engl. skill games), deren Entscheidung primär durch die geistige oder auch kÜrperliche Geschicklichkeit der Mitspieler beeinflusst wird.
In Deutschland fßhrt § 3 Abs. 1 Glßcksspielstaatsvertrag (GlßStV) aus:
Ein GlĂźcksspiel liegt vor, wenn im Rahmen eines Spiels fĂźr den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und die Entscheidung Ăźber den Gewinn ganz oder Ăźberwiegend vom Zufall abhängt. Die Entscheidung Ăźber den Gewinn hängt in jedem Fall vom Zufall ab, wenn dafĂźr der ungewisse Eintritt oder Ausgang zukĂźnftiger Ereignisse maĂgeblich ist. Auch Wetten gegen Entgelt auf den Eintritt oder Ausgang eines zukĂźnftigen Ereignisses sind GlĂźcksspiele.cite-ref-9[9]
Analoge Begriffsbestimmungen enthalten auch § 1 des Ăśsterreichischen GlĂźcksspielgesetzes (GlSpG)cite-ref-10[10] sowie Art. 3 des schweizerischen Bundesgesetzes Ăźber Geldspiele (Geldspielgesetz, BGS)cite-ref-11[11], wobei in Ăsterreich § 1 Abs. 2 GlSpG dahingehend ergänzt, dass âRoulette, Beobachtungsroulette, Poker, Black Jack, Two Aces, Bingo, Keno, Baccarat und Baccarat chemin de fer und deren Spielvariantenâ als GlĂźcksspiele gelten.
Geschicklichkeitsspiele werden nach der ständigen Rechtsprechung in Deutschlandcite-ref-12[12] dadurch charakterisiert, dass bei ihnen âdie Entscheidung Ăźber Gewinn und Verlust wesentlich von den Fähigkeiten sowie vom Grad der Aufmerksamkeit der Spieler abhängt.âcite-ref-13[13] Dabei muss âder Durchschnitt der Personen, denen das Spiel erĂśffnet ist, es mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Handâ haben, âdurch Geschicklichkeit den Ausgang des Spiels zu bestimmenâ.cite-ref-14[14] âMathematische Kalkulationen und verwickelte Wahrscheinlichkeitsberechnungenâ, soweit sie âdie durchschnittliche Fähigkeit der beteiligten Personenâ Ăźbersteigen, sind âfĂźr die Beurteilung, ob ein Spiel den Charakter eines GlĂźcksspiels besitztâ, nicht maĂgebend.cite-ref-15[15] Davon unberĂźhrt bleibt allerdings âdie Notwendigkeit, den Charakter des Spieles mit wissenschaftlichen Methoden zu bestimmenâ.cite-ref-16[16] Bei der Bewertung der Geschicklichkeit eines Spielers sollen nicht âalle Teilnehmer unter Einsatz der ihnen zur VerfĂźgung stehenden Geschicklichkeit um den Erfolg bemĂźhtâ sein, sondern es muss, wie es fĂźr den Fall eines zu bewertenden Zweipersonenspiels entschieden wurde, âjeweils ein Teilnehmer den Zufall waltenâ lassen.cite-ref-17[17] In diesem Sinne hatte bereits 1928 das Reichsgericht als MaĂ fĂźr die âMĂśglichkeit, den Ausgang durch Geschicklichkeit zu beeinflussen,âcite-ref-18[18] die Steigerung des anteiligen Erfolgs gesehen, die ein durchschnittlich agierender Spieler in einer Spielsequenz gegenĂźber der âZufallsquoteâcite-ref-19[19] erzielt, wie sie ein anstelle des Spielers zufällig wirkender Mechanismus hervorbringt.
Der Einsatz von anders begrĂźndeten Messverfahren fĂźr den Geschicklichkeitsanteilcite-ref-20[20] erfolgte in der Rechtsprechung zwar in Einzelfällen,cite-ref-21[21] ist aber ansonsten umstritten.cite-ref-22[22]cite-ref-23[23] In der Regel weniger restriktiv bewertet werden Turniere. So gelten in Deutschland bestimmte turniermäĂig veranstaltete Spiele wie Skat (siehe Preisskat), Schafkopf (siehe Turnierschafkopf) und Bridge (siehe Turnierbridge) rechtlich nicht als GlĂźcksspiel, sofern das Turnier genĂźgend lang ist.cite-ref-24[24] In Ăsterreich wurde mit der GlĂźcksspielgesetz-Novelle von 2008 mit § 4 Abs. 6 GlSpG eine ähnliche Bereichsausnahme fĂźr Kartenspielturniere geschaffen.cite-ref-25[25] DarĂźber hinaus wurden spezielle Spiele wie etwa Tarock, Schnapsen, Schach, Skat, Bridge und Billard bereits zuvor durch die Rechtsprechung als Geschicklichkeitsspiele eingestuft.cite-ref-26[26]cite-ref-27[27]
2021 bewerte das Finanzgericht MĂźnster Gewinne aus der Teilnahme an Online-Poker-Turnieren unter bestimmten Umständen als EinkĂźnfte aus einem Gewerbebetrieb, wobei es bei der anzustellenden Gesamtbetrachtung des Ăberwiegens der GlĂźcks- und Geschicklichkeitselemente âauf das fĂźr strafrechtliche, zivilrechtliche oder verwaltungsrechtliche Zwecke entwickelte Verständnis des GlĂźcksspielbegriffsâ nicht ankomme. Als maĂgeblich sah es das Gericht an, dass der Poker-Spieler aufgrund des Umfangs seiner Teilnahme und âseiner Erfahrungen im Gesamtergebnis mit einem Spielerfolg und der Erzielung von regelmäĂigen Einnahmen rechnenâ konnte.cite-ref-28[28]
Die EidgenĂśssische Spielbankenkommission gelangte 2007 zur Einschätzung, dass es sich bei einem Pokerturnier um ein Geschicklichkeitsspiel handeln kann, wenn statt einer âBezahlung von Einsatz und Gewinn bei jeder Spielrundeâ nur die Gesamtheit aller Spielrunden des Turniers gewertet wird.cite-ref-29[29] Die Einschätzung wurde 2010 durch das Bundesgericht korrigiert.cite-ref-30[30]cite-ref-31[31] Mit der Anfang 2019 in Kraft getretenen Novelle des Geldspielgesetzes wurde unabhängig von einer Einstufung als Geschicklichkeitsspiel eine explizite MĂśglichkeit geschaffen, fĂźr Pokerturniere eine kantonale Genehmigung zu erhalten.cite-ref-32[32]
In den USA wurde die Frage, ob Backgammon ein Geschicklichkeitsspiel ist, von Gerichten unterschiedlich beantwortet.cite-ref-33[33]cite-ref-34[34] In Liechtenstein gilt Backgammon als Geschicklichkeitsspiel,cite-ref-35[35] wobei die zugrunde liegenden Rechtsnormen insgesamt einen vergleichsweise expliziten Charakter aufweisen.cite-ref-36[36]
GlĂźcksspiele mit bzw. ohne Bankhalter
Bei den sogenannten Bankhalter-Spielen, engl. Banking games, franzÜsisch Jeux de contrepartie wie etwa Roulette, Craps, Sic Bo, Black Jack oder Baccara banque wird eine Partei durch die Spielregeln bevorzugt (vergleiche Bankvorteil), sodass die Gegenspieler, die sogenannten Pointeure (von franzÜsisch point, deutsch Punkt, siehe Pharo) auf lange Sicht, also bei häufigem Spiel, mit Sicherheit verlieren.
Im Unterschied zu den Bankhalterspielen besitzen bei den Non banking games, franzĂśsisch Jeux de cercle alle Spieler â zumindest im Mittel â dieselben Gewinnchancen. Dies ist bei den meisten Poker-Varianten, wie etwa Draw Poker, Seven Card Stud, Texas Holdâem oder Omaha Holdâem der Fall, aber auch bei ĂcartĂŠ oder all den Spielen, bei denen kein permanenter Bankhalter existiert, sondern diese Rolle wechselt, wie bei Baccara chemin de fer.
Geschichte, GlĂźcksspielverbot und -monopolisierung
GlĂźcksspiele gibt es nach heutigem Stand der Wissenschaft schon seit ca. 3000 v. Chr. Aus dieser Zeit stammen die ältesten Funde sechsseitiger WĂźrfel aus Knochen oder Elfenbein. Die Fundstätten liegen in China und auf dem Gebiet des alten Mesopotamien. WĂźrfelspiele werden zum Beispiel in antiken indischen Schriften erwähnt, in der griechischen Mythologie wĂźrfelt Herkules gegen einen Tempelwächter um eine hĂźbsche Kurtisane. Die heute gebräuchlichen, mit Punkten auf jeder Seite versehenen WĂźrfel wurden vermutlich ca. 2000 v. Chr. In Ăgypten erfunden.cite-ref-37[37]
In der rĂśmischen Antike waren WĂźrfelspiele in allen Schichten verbreitet, obwohl die Autoritäten sie mit Strafe bedrohten. Nur an den Saturnalien war das WĂźrfeln offiziell erlaubt. Nach rĂśmischem Recht durften Spielschulden nicht eingeklagt werden, auch konnte das Verlorene vor Gericht nicht zurĂźckgefordert werden. Das Haus, in welchem GlĂźcksspieler angetroffen wurden, wurde konfisziert. Kaiser Claudius war ein begeisterter Freund des Spiels Duodecim scripta und verfasste Ăźber diesen Vorläufer des heutigen Backgammon sogar ein Buch, das verloren gegangen ist. Tacitus berichtet in der Germania Ăźber die WĂźrfelleidenschaft der Germanen, dass sie in nĂźchternem Zustand mit äuĂerstem Leichtsinn um Haus und Hof, zuletzt gar um die eigene Freiheit spielten.
Nach altem deutschen Recht galten GlĂźcksspielgeschäfte als unerlaubte Geschäfte und es konnte nicht nur der Verlust wieder zurĂźckgefordert, sondern sogar vom Gewinner eingeklagt werden. Im Mittelalter versuchten sowohl geistliche als auch weltliche Autoritäten das Spiel zu verbieten. Derlei Verbote von Karten- und WĂźrfelspielen erlauben RĂźckschlĂźsse auf die Verbreitung und die Entwicklung von Spielen. Aus dem 12. Jahrhundert stammt ein Erlass des englischen KĂśnigs Richard LĂśwenherz, dass niemand, der von geringerem Stand als ein Ritter war, um Geld wĂźrfeln durfte. Im 16. und 17. Jahrhundert setzte sich allmählich die Auffassung durch, dass das hohe und ĂźbermäĂige Spiel â gemeint sind hohe und geborgte Spieleinsätze â mit Strafe zu bedrohen sei. Erstmals wurde zwischen verbotenen und erlaubten Spielen unterschieden, wobei sich diese Unterscheidung weniger auf die Art als auf die HĂśhe der Einsätze derselben bezog.
Die weite Verbreitung des GlĂźcksspiels im 17. Jahrhundert gab Anlass zur wissenschaftlichen Untersuchung: Die Behandlung des Problems des Chevaliers de MĂŠrĂŠ durch Blaise Pascal und Pierre de Fermat (1654) gilt als Geburtsstunde der Wahrscheinlichkeitsrechnung, allerdings gab es schon von Galileo Galilei, Luca Pacioli und Gerolamo Cardano mathematische Arbeiten Ăźber bestimmte GlĂźcksspiele.
In den verschiedenen europäischen Staaten entwickelten sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts unterschiedliche Einstellungen zum GlĂźcksspiel. Während in einigen Staaten diese Spiele erlaubt waren und auch zum Vorteil des Staates veranstaltet wurden, weil man Ăśffentliches GlĂźcksspiel fĂźr weniger verderblich hielt als das geheim betriebene, waren in anderen Staaten alle Hazardspiele verboten. In Frankreich, wo es im 18. und frĂźhen 19. Jahrhundert in fast allen grĂśĂeren Städten privilegierte Spielhäuser gab, versuchte bereits Ludwig XV. vergeblich das GlĂźcksspiel zu verbieten. Napoleon Bonaparte erlaubte 1806 das GlĂźcksspiel nur mehr in den Spielhäusern des Pariser Palais Royal, wo bis zur SchlieĂung durch Louis-Philippe I. Ende 1837 neben Pharo und Rouge et noir bzw. Trente et quarante auch Roulette gespielt wurde.
Nach 1837 begann die groĂe Zeit der Spielbanken von Baden-Baden, Bad Homburg und Wiesbaden, wo Fjodor Michailowitsch Dostojewski das Roulette kennenlernte und diesem Spiel verfiel â aus diesem Erlebnis entstand der Roman Der Spieler â sowie Bad Ems, Bad Nauheim und Bad Pyrmont. In Deutschland war PreuĂen bereits vor der Märzrevolution (1848) mit der SchlieĂung der Spielbanken vorangegangen. In den 1866 annektierten Ländern wurde den dort auf Grund von Verträgen mit den von frĂźheren Regierungen errichteten Spielbanken die Fortdauer bis zum Ende des Jahres 1872 gestattet. Sie hatten dabei allerdings einen bedeutenden Teil des Reingewinns zur Bildung eines Kur- und VerschĂśnerungsfonds fĂźr die beteiligten Städte anzusammeln. Nach der ReichsgrĂźndung mussten mit Jahresende 1872 alle deutschen Spielbanken schlieĂen â sie wurden erst 1933 unter den Nationalsozialisten wiedererĂśffnet.
Das GlĂźcksspielverbot in Frankreich und Deutschland kam vor allem dem FĂźrstentum Monaco zugute. François Blanc nutzte diese Gelegenheit und fĂźhrte die Spielbank Monte-Carlo zu ihrer BlĂźtezeit. Auch wurde das Spielen in auswärtigen Lotterien verboten, so zum Beispiel in PreuĂen durch die Verordnung vom 5. Juli 1847. FĂźr die DurchfĂźhrung Ăśffentlicher Lotterien und Tombolas musste zuvor eine Erlaubnis eingeholt werden. Erwähnenswert ist auch die Entscheidung des Reichsgerichts vom 29. April 1882, wonach das sogenannte Buchmachen bei Pferderennen und das Wetten am Totalisator als GlĂźcksspiel zu betrachten sei. Im Jahre 1904 verĂśffentlichte das k.u.k. Justizministerium eine Liste verbotener Spiele, welche durch viele Jahrzehnte beispielgebend war â diese Liste ist insofern bemerkenswert, als sich darunter auch einige spezielle Kegelspiele finden.
Im juristischen Sinne erfordert ein Glßcksspiel als Einsatz einen VermÜgenswert. Ist kein derartiger Einsatz nÜtig, kann man also bei einem Spiel zwar Geld- oder Sachpreise gewinnen, aber nichts verlieren, so handelt es sich rechtlich um ein Gewinnspiel, zum Beispiel ein Preisausschreiben. Das Veranstalten von Glßcksspielen bedarf gegenwärtig entsprechend § 33h Gewerbeordnung einer behÜrdlichen Erlaubnis, wenn es sich um ein Üffentliches Spiel handelt. Anderenfalls stellt dies einen Verstoà gegen § 284 StGB dar. Dies ist dann der Fall, wenn das Spiel einem sich verändernden Personenkreis angeboten wird. Bereits die Beteiligung als Spieler ist nach § 285 StGB strafbar, sofern das Glßcksspiel ohne behÜrdliche Erlaubnis erfolgt.
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Hauptartikel
:
Unerlaubte Veranstaltung eines GlĂźcksspiels
Seit Oktober 2006 ist das GlĂźcksspiel in den USA im Internet verboten, indem Kreditinstituten die Unterhaltung eines Kapitalflusses an die Anbieter untersagt wurde.cite-ref-38[38]
Islam
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Hauptartikel
:
Maisir
Arten von GlĂźcksspielen (Auswahl)
Typologisierung anhand sozialpsychologischer Faktoren
Obschon Glßcksspiel (alea) anscheinend nicht vergleichbare Formen annehmen kann, etwa die wÜchentliche Doppelkopfrunde im Freundeskreis, Pferdewetten im Hippodrom, Roulettespiel im Kasino und die räumlich ungebundene Lotterie, sind die Unterschiede nach Schßtte vornehmlich durch soziologische Faktoren determiniert:cite-ref-schuette-39-0[39] Mode, Erreichbarkeit und Finanzierbarkeit. Eine generelle psychologische Differenzierung ist seines Erachtens nicht erforderlich. Die soziologischen und psychologischen Faktoren interagieren und sind bei der Kategorisierung gleichbedeutend. Das normale Glßcksspiel kann Ausdruck verschiedener Faktoren sein und aufgrund dieser typologisiert werden.
SozioĂśkonomische Faktoren
Das GlĂźcksspiel kann in zwei separate Formen unterschieden werden: kostenintensives GlĂźcksspiel mit sozialer Komponente und physischer Anwesenheit des Spielers, beispielsweise Pferdewetten, sowie anonymes preiswertes GlĂźcksspiel wie Lotto.
Je hĂśher der sozialĂśkonomische und berufliche Status, desto grĂśĂer die Neigung zur erstgenannten Form. Dabei isoliert SchĂźtte als Faktoren die wahrgenommene Notwendigkeit, dem eigenen sozialen Standard gemäà zu leben und Gleichgestellten GroĂzĂźgigkeit und Reichtum zu präsentieren, um so Prestige und Anerkennung zu mehren. Das GlĂźcksspiel ist hier ein Werkzeug der Abgrenzung der besser situierten von den unteren Schichten, die sich das âTicket zum Spielâ, also den hohen Einsatz, nicht leisten kĂśnnen. Dass es bei Pferdewetten nicht in erster Linie um Geldvermehrung geht, hat auch eine Studie von Chantal et al. bestätigt.cite-ref-40[40]
Das Zahlenlotto hingegen bietet insbesondere Personen in sozial niederen Schichten, die mit ihrem Alltag und gesellschaftlichen Status unzufrieden sind, die hoffnungsvolle Illusion, durch das GlĂźcksspiel eine wirtschaftliche und soziale Mobilität erreichen zu kĂśnnen. Hier kommt dem GlĂźcksspiel allein durch Teilnahme eine egalisierende (gleichmachende) Funktion zu. Diese Form des Spieles ist geprägt von sehr hohen potentiellen Gewinnen, da ein sozialer Aufstieg nur durch enorme GeldmittelzuflĂźsse realisierbar ist. Diesem steht ein geringer Einsatz gegenĂźber, denn typischerweise verfĂźgt dieser Spielertypus Ăźber geringe Barmittel. SchlieĂlich ist es Sinn des Spieles, diese zu erlangen.
Hoher Gewinn und geringer Einsatz gehen zwangsläufig auf Kosten der Gewinnwahrscheinlichkeit, vor der der Spieler die Augen verschlieĂt. Das treffende Beispiel ist das Lotto (die Zahlenlotterie). Die Wahrscheinlichkeit, in der Variante â6 aus 49â sechs Richtige zu wählen, liegt unter einem Zehnmillionstel â die Wahrscheinlichkeit, bei einem einzigen Versuch den Hauptgewinn mit sechs Richtigen und der richtigen Superzahl zu erzielen, liegt dementsprechend sogar nur bei 1: 139.838.160. Der typische Lottospieler unterliegt einer enormen Fehleinschätzung dieser Wahrscheinlichkeit.cite-ref-41[41]
Caillois sah 1960 im alea deutliche Anzeichen von Eskapismus:cite-ref-42[42] Im Spiel wird kßnstlich eine Gleichheit der Menschen hergestellt, die in der Realität nicht vorliegt. Die Realität wird durch perfekte Situationen ersetzt und zum Ziele der Flucht aus ihr umgestaltet. Schßtte begrßndet den Spielhang der unteren Schichten in der Kompensation der psychischen und materiellen Deprivation, die den Menschen unbefriedigt lässt.cite-ref-schuette-39-1[39] Die tägliche Arbeit ist hier eine reine Pflicht, deren einziger Gewinn der Lohn ist. Mit diesem nun sucht der Arbeiter, die durch die Arbeit hervorgerufene Entfremdung im Privaten zu kompensieren. Das Glßcksspiel suggeriert die MÜglichkeit, sich von der Arbeit zu erholen, die Kontrolle ßber sein Leben zurßckzuerlangen und Leistung und Erfolg gegen eine Konkurrenz durchzusetzen. Das Bedßrfnis nach einer Demonstration von Selbstvertrauen, Entscheidungsfähigkeit und Unabhängigkeit bleibt in seiner Befriedigung dem Glßcksspiel vorbehalten.
Situative Faktoren
Durch Gruppendruck und Belohnung durch gesellschaftliche Anerkennung kann eine Person zum Spielen angehalten sein. Fßr das Wirksamwerden ist eine leichte Erreichbarkeit des Glßcksspiels erforderlich, etwa der Kiosk, der Lottoscheine annimmt. Mittlerweile gewinnt das Internet an Bedeutung, wie sich an der aktuellen Diskussion ßber Lottoscheinannahme an der Supermarktkasse und private Vermittlerdienste im Internet ablesen lässt. Ferner begßnstigt ein Unterangebot alternativer Beschäftigungen das Glßcksspielverhalten.
Lernfaktoren
Der Spieler entwickelt aus einer beobachteten Spielserie eine bestimmte Erwartungshaltung. Gewinnt er häufig, so glaubt er an eine Glßckssträhne und nimmt an, dass diese weiterhin anhalten wird. Verliert er jedoch häufiger, so redet er sich ein, dass das erfahrene Pech in der Zukunft kompensiert werden wird, um die Balance wiederherzustellen. In beiden Fällen also erwartet er zukßnftige Gewinne, aber in beiden Fällen bleiben die Wahrscheinlichkeiten fßr Gewinn und Verlust kurzfristig absolut unverändert.
Es muss ein Ungleichgewicht von Verlusten vorliegen, wobei die GewinnhÜhe irrelevant ist. Der Lernprozess ist theoretisch mithilfe von Verstärkerplänen abbildbar, die ihr Maximum an Effizienz bei diskontinuierlicher Quotenverstärkung erreichen.
Faktoren der Wahrscheinlichkeitswahrnehmung
Der Mensch nimmt fßr gewÜhnlich Wahrscheinlichkeiten verzerrt wahr. Wie die Prospect Theory beleuchtet, ist man Gewinnen gegenßber risikoavers und Verlusten gegenßber risikofreudig. Vergangene Ereignisse werden leicht in ihrem Repräsentationsgrad ßberschätzt. Wenn eine Person einen Lottogewinner kennt, der mit seinen Geburtstagszahlen gewonnen hat, so ist sie versucht, dies fßr eine probate Strategie zu halten. Im Gegenteil bietet es sich an, nicht die oft benutzte 19 (Anfang aller Geburtsjahre des 20. Jahrhunderts) und die Monatszahlen von 1 bis 12 zu tippen, denn wenn man mit ihnen gewinnt, muss die Gewinnsumme unter mehr Gewinnern aufgeteilt werden als bei seltener getippten Zahlen.
Durch das Aufteilen des Geldes in kleine Einheiten beim Automatenspiel oder symbolische Fiktionalisierung in Form von Chips in Spielbanken â das von Spielbanken eingesetzte Spielgeld ist als Zahlungsmittel ebenso unbrauchbar wie das von Kindern â wird der reale Wert des Geldes verschleiert und die Risikowahrnehmung abgeschwächt.
Rogers nennt eine weitere Verzerrung durch die falsche Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit autokorrektiv wirkt, dass also Ăźber kurz oder lang alle Zahlenkombinationen gezogen werden und sich somit Beharrlichkeit sicher auszahlt, und dass alle Zahlen gleich häufig gezogen werden, dass also die Wahrscheinlichkeit bisher seltener Zahlen hĂśher liegt als häufig gezogener.cite-ref-43[43] Der Spieler versteht hier das Faktum nicht, dass jede Ziehung unabhängig von allen vorigen Ziehungen geschieht. Bereits gezogene Kombinationen und Zahlen sind genauso wahrscheinlich wie noch nicht gezogene (sogenannter Spielerfehlschluss). Als vermeintlicher Beleg wird oft das Gesetz der groĂen Zahlen fälschlicherweise als ein Gesetz des Ausgleichs interpretiert. Auch die häufig vorzufindende Annahme, die Gewinnwahrscheinlichkeit steige, wenn ein Jackpot nicht geknackt wurde, ist bei vielen Jackpot-Systemen ein Trugschluss. Man spricht dabei vom rollover phenomenon.
Des Weiteren wird ein âKnapp-daneben-Phänomenâ (near miss-phenomenon) beobachtet, welches suggeriert, der Gewinn rĂźcke stetig näher, wobei der Erstspieler in der Gegenwart die gleiche Gewinnwahrscheinlichkeit wie der Veteran hat. Nach Reid wirkt ein Nahezu-Treffer in Geschicklichkeitsspielen motivierend, da die notwendige Geschicklichkeit fĂźr einen Treffer nicht mehr fern scheint.cite-ref-44[44] Gepaart mit der Kontrollillusion fĂźhrt dies dazu, dass auch bei GlĂźcksspielen Nahezu-Treffer, beispielsweise eine Zahl neben der Kugel beim Roulette, den Spieler motivieren. Die Studie von CĂ´tĂŠ et al. bestätigt, dass Nahezu-Gewinne zu ausdauernderem Spielen und vermehrtem Geldeinsatz fĂźhren.cite-ref-45[45]
Wahrnehmung von Geschicklichkeitsfaktoren
Eine tatsächliche oder vermeintliche Einflussnahme des Spielers auf die Gewinnchance erhÜht den Reiz des Spieles und fßhrt zu erhÜhter Spielausdauer. Die Psychohygiene des Menschen richtet es ein, dass er Gewinne internal und Verluste external attribuiert. Dieser Kontrollillusion unterliegend ßberschätzt der Spieler die Gewinnwahrscheinlichkeit.
Bei Sportwetten, die augenscheinlich nicht vollkommen dem Zufall unterliegen, kÜnnen die Spieler durch ihr Wissen die Wahrscheinlichkeiten besser einschätzen und ihre Gewinnchance somit erhÜhen. Dennoch wird dies in den seltensten Fällen dazu fßhren, dass eine positive Gewinnerwartung vorhanden ist, da die Buchmachergebßhren in aller Regel einen beträchtlichen Anteil der eigentlichen, mathematisch korrekten, Auszahlung ausmachen. Wenn dieses Faktum ausgeblendet wird, entsteht beim Spieler die Illusion, das Spiel schlagen zu kÜnnen, obwohl dies nicht der Fall ist. Selbst die MÜglichkeit, ein Los zu ziehen oder Lottozahlen anzukreuzen, reicht aus, eine Kontrollillusion zu erzeugen, obwohl dies jeder Logik widerspricht. Hier wird das Spiel falsch klassifiziert. Es wird fßr ein Geschicklichkeitsspiel gehalten, obwohl es sich um ein Glßcksspiel handelt. Dies schlägt sich auch in Beobachtungen nieder, dass Wßrfelspieler mehr Geld auf eigene Wßrfe als auf die Fremder zu setzen bereit sind.
Es treten Rituale auf, die aus Sicht des Spielers die Gewinnwahrscheinlichkeit positiv beeinflussen, oder der Irrglaube, es gebe Menschen mit mehr oder weniger Glßck. Griffiths konnte zeigen, dass hinsichtlich der Geschicklichkeitswahrnehmung deutliche Unterschiede bestehen. Während weniger als die Hälfte der Normalspieler glaubt, der Erfolg am Spielautomaten hänge hauptsächlich von der Geschicklichkeit ab, waren sämtliche exzessive Spieler dieser Meinung.cite-ref-46[46]
Jegliches Spiel kann durch ein Aufheben der Abgrenzung zur Realität korrumpiert werden. Der grĂśĂte Feind des alea ist der Aberglaube. Die Versuchung ist groĂ, die Realität als GlĂźcksspiel zu sehen und somit in einen passiven und resignativen Fatalismus und Determinismus abzurutschen. Ebenso kann der Aberglaube in die Welt des Spieles eindringen, indem Wahrsager den Ausgang des Spieles zu antizipieren suchen. In beiden Fällen wird der Spielgedanke zersetzt.
Sucht
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Hauptartikel
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Pathologisches Spielen
Spieler, die unfähig sind, dem Impuls zum GlĂźcksspiel zu widerstehen, auch wenn dies gravierende Folgen im persĂśnlichen, familiären oder beruflichen Umfeld nach sich zieht oder diese zumindest drohen, werden als pathologische Spieler bezeichnet. Laut Hayer, Meerkerk und Mheen repräsentieren insbesondere junge Männer eine Risikogruppe des pathologischen GlĂźcksspiels. Die Erfassung von Spielercharakteristika und Entwicklungen des Spielverhaltens im Zusammenhang mit den FrĂźhstadien und Suchtprogressionen sind bedeutsam fĂźr die Entwicklung von Präventions- und BehandlungsmaĂnahmen:cite-ref-47[47]cite-ref-48[48] â[âŚ], problem gambling has emerged as the primary issue raised by gambling liberalisation. In this way, the pathological gambler, rather than the process of gambling liberalisation, has been constructed and mobilised as the object of policy and intervention.âcite-ref-49[49]
Die Bezifferung der HÜhe der Kosten durch die Spielsucht ist unter Wissenschaftlern umstritten. Eine Studie der Forschungsstelle Glßcksspiel schätzt die jährlichen Sozialkosten pathologischer Spieler in Deutschland auf 300 bis 600 Millionen Euro (im Vergleich zu 20 bis 50 Mrd. Euro beim Tabakkonsum und 20 bis 30 Mrd. Euro beim Alkoholkonsum),cite-ref-50[50] wobei der durch gewerblich betriebene Spielautomaten verursachte Anteil mit 225 Millionen Euro beziffert wird.cite-ref-51[51] Auf dieser Basis kommt eine von der Spielautomatenwirtschaft finanzierte und in Auftrag gegebenecite-ref-kostnutz-52-0[52] Analyse vom Forschungsinstitut fßr Glßcksspiel und Wetten zum Schluss, dass obgleich es sich bei der Spielsucht um eine ernstzunehmende Krankheit handelt, die volkswirtschaftlichen Auswirkungen bei Heranziehen einer Kosten-Nutzen-Analyse weit unter jenen Wohlfahrtskosten liegen, welche durch Alkohol- und Tabakmissbrauch entstehen, durch die jährliche Sozialkosten von 40 Milliarden Euro entstßnden. Speziell fßr den Bereich der gewerblich betriebenen Spielautomaten werden in der Analyse jährliche Sozialkosten von 225 bis 300 Millionen Euro volkswirtschaftlichen Nutzen (Einnahmen) von 1,37 Milliarden Euro gegenßbergestellt.cite-ref-53[53]
Besonders suchtgefährdend sind laut der Bundeszentrale fĂźr gesundheitliche Aufklärung Sportwetten im Internet und GlĂźcksspiel-Automaten. Nach einer Untersuchung der Universitäten Greifswald und LĂźbeck sind rund 193.000 Menschen in Deutschland krankhaft spielsĂźchtig.cite-ref-54[54] FĂźr die Zusammenfassung weiterer Untersuchungsergebnisse siehe auch Pathologisches Spielen. Das Forschungsinstitut fĂźr GlĂźcksspiel und Wetten kommt in einem wissenschaftlichen Kurzgutachten zum Schluss, dass bei der Bewertung der Suchtpotentiale anhand absoluter Zahlen zum pathologischen Spieleverhalten nicht auf das Gefährdungspotential von Spielformen geschlossen werden kann. Anhand einer Bewertung, die neben der Zahl der pathologischen Spieler ebenfalls die Intensität des jeweiligen Spiels und die Bruttospielerträge mit einbezieht (Pathologie-Potenzial-Koeffizient), kommt das Gutachten zu dem Ergebnis, dass die pathologischen Suchtpotentiale dieser Spielformen eventuell verzerrt dargestellt werden.cite-ref-55[55] Eine Untersuchung des GlĂźcksspielverbots in Wien zeigt, dass sich durch das Verbot des sogenannten âKleinen GlĂźcksspielsâ SpielsĂźchtige den expandierenden illegalen Spielanbietern zuwenden.cite-ref-56[56]
Illegales Glßcksspiel und organisierte Kriminalität
Unter anderem wegen der Suchtgefahr gilt Glßcksspiel in vielen Gesellschaften als unmoralisch. Ungeregeltes Glßcksspiel ist in den meisten Staaten illegal und wird oft von der organisierten Kriminalität betrieben; legales Glßcksspiel unterliegt meist diversen Einschränkungen. Ein Beispiel hierfßr ist die in Glßcksspiel und Drogenhandel verstrickte XY-Bande in Brandenburg.
Glßcksspiele in verschiedenen Ländern
Deutschland
Klassische Glßcksspiele und Spielautomaten werden in Spielbanken angeboten. Spielautomaten, deren Einsatz- und GewinnmÜglichkeiten begrenzt sind, dßrfen auch in Spielhallen und Gaststätten betrieben werden. Lotto und Rubbellose werden ßber Annahme- und Verkaufsstellen angeboten, bei denen es sich meist um Zeitschriften- und Tabakläden handelt. Ferner angeboten werden Lotterien, insbesondere zu wohltätigen Zwecken wie Aktion Mensch. Während es auf Grundlage des 1922 in Kraft getretenen Rennwett- und Lotteriegesetzes ßber hundert Buchmacher gibt, sind die Angebote von Sportwetten, wie sie in Sportwettlokalen und ßber das Internet abgeschlossen werden kÜnnen, relativ neu. Online-Casinos durften bis 30. Juni 2021 nur in Schleswig-Holstein betrieben werden. Eine Legalisierung unter strengen Auflagen ist mit dem Glßcksspielstaatsvertrag 2021 erfolgt.cite-ref-57[57] Auch die Beteiligung am unerlaubten Glßcksspiel ist strafbar (§ 285 StGB).
Nach einer 2015 von der Bundeszentrale fßr gesundheitliche Aufklärung (BZgA) durchgefßhrten Studie beteiligten sich 37,3 % der Deutschen an Glßcksspielen. Bei den Männern fällt die Teilnahme mit 43,3 % hÜher aus als bei den Frauen mit 31,3 %.cite-ref-bzga2015-58-0[58] 2015 betrug der Bruttospielertrag, d. h. die Summe der getätigten Einsätze abzßglich der ausgeschßtteten Gewinne, ca. 10,4 Milliarden Euro pro Jahr fßr gesetzlich in Deutschland regulierte Spielangebote und weitere 2,3 Milliarden Euro fßr unregulierte Spielangebote (illegale wie grenzßberschreitende Online-Angebote).cite-ref-hb-59-0[59] Dies entspricht gegenßber dem Vorjahr einer Steigerung von 8 % in Bezug auf alle Spielangebote, wobei allerdings der unregulierte Anteil einen Zuwachs von 30 % verzeichnete.cite-ref-hb-59-1[59]
FĂźr GlĂźcksspiele und Wetten sind die Bundesländer zuständig. 2016 betrugen die Einnahmen aus Lotto und Lotterien 3,6 Milliarden Euro.cite-ref-tag-60-0[60] Zur Regulierung des GlĂźcksspielmarktes schlieĂen die Bundesländer einen GlĂźcksspielstaatsvertrag, der nach entsprechenden Gerichtsurteilen bisher mehrmals novelliert wurde. Darin geregelt sind Lotto, Lotterien, Sportwetten, Spielbanken sowie die Aufstellung von Geldspielgeräten in Spielhallen, nicht aber die Anforderungen an die Geldspielgeräte. Deren Eigenschaften werden durch die Spielverordnung sowie durch die Gewerbeordnung geregelt. Es stehen etwa 220.000 Geldspielgerätecite-ref-vdai-mu-61-0[61] in rund 9100 deutschen Spielhallencite-ref-62[62] und 77.000 Geräte in Gaststätten.cite-ref-vdai-mu-61-1[61] Die Gauselmann-Gruppe als grĂśĂter Spielautomaten-Hersteller in Deutschland machte 2016 einen Gesamtumsatz von rund 1,7 Milliarden Euro.
Ăsterreich
Nach der Einfßhrung restriktiver Gesetze fßr verschiedene Arten von Glßcksspiel wurde im Jahr 2016 von Polizei und BehÜrden auch strenger gegen illegal betriebene Glßcksspielautomaten vorgegangen. In den ersten vier Monaten des Jahres 2016 wurden 860 Glßcksspielautomaten (davon 375 in OberÜsterreich und 110 in Wien) vom Staat eingezogen, um sie nach Abwicklung der Verfahren im Erfolgsfall zu vernichten.cite-ref-63[63] Durch die stärkere Reglementierung insbesondere bei Glßcksspielautomaten kam es zu einer Umsatzverlagerung hin zu Sportwetten und Online-Casinos bei gleichzeitigem Gewinnrßckgang der Spielbanken und klassischen Anbieter. Im Jahr 2016 stiegen die Spiel- und Wetteinsätze um 9,9 % gegenßber dem Vorjahr auf 17,9 Milliarden Euro.cite-ref-64[64]cite-ref-65[65]
Besondere Aufmerksamkeit erlangte der Spruch des EuGH C-347/09 (Rs Dickinger und Ămer), wonach nationale GlĂźcksspielmonopole zulässig seien und nicht gegen die Dienstleistungsfreiheit der Europäischen Union verstieĂen. Viele Anbieter betrieben ihr Online-GlĂźcksspiel in Ăsterreich somit illegal, da sie Ăźber eine nationale Konzession nach dem Ăśsterreichischen GlĂźcksspielgesetz hätten verfĂźgen mĂźssen.cite-ref-66[66]cite-ref-67[67]
Schweiz
Eine Studie im Auftrag der EidgenĂśssischen Spielbankenkommission und des Bundesamtes fĂźr Justiz aus dem Jahr 2004 hat ergeben, dass 21,2 % der Schweizer BevĂślkerung Ăźber 18 Jahren häufig an GlĂźcksspielen teilnehmen. Dabei spielen Bewohner der franzĂśsischen und italienischen Schweiz tendenziell häufiger als Bewohner der deutschsprachigen Schweiz. Der GroĂteil der Spieler, nämlich ungefähr 20,6 %, spielt Lottoangebote wie Zahlenlotto, Toto, Sportlotto oder ähnliche Spiele. 7 % der Schweizer nutzen ausländische Lotterien.cite-ref-68[68]
USA
Die Zuständigkeit fĂźr GlĂźcksspiele liegt bei den Bundesstaaten, die meist sogenannte âGaming Control Boardsâ (GlĂźcksspielkontrollbehĂśrden) haben, welche die Einhaltung der jeweiligen Regularien sicherstellen. Eine Besonderheit in den USA ist das âIndian Gamblingâ (Indianer-GlĂźcksspiel), welches Indianerstämmen unabhängig von den Gesetzen der Bundesstaaten erlaubt, Casinos in Indianerreservaten zu betreiben. Mit âIndian Gamblingâ wurden 2012 26,5 Milliarden Dollar umgesetztcite-ref-us-casinos-indian-69-0[69]. Insgesamt setzten Casinos in diesem Jahr rund 57,5 Milliarden Dollar umcite-ref-us-casinos-gesamt-70-0[70].
Lotterien werden in den USA ebenfalls von den Bundesstaaten ausgerichtet. In 44 der 50 Staaten sowie im District of Columbia, in Puerto Rico und auf den Amerikanischen Jungferninseln gibt es Lotterien. 2011 betrugen die Lotterieeinnahmen der Bundesstaaten die Lotterien betreiben insgesamt 17,9 Milliarden Dollar.cite-ref-us-lotteries-71-0[71]
GlĂźcksspiel am Computer und im Internet
In den letzten Jahren setzte man sich vermehrt mit unterschwelligen Glßcksspielelementen in Online-Computerspielen medial und politisch auseinander, da viele Computerspiele im Internet mittlerweile Glßcksspielemente als Geschäftsmodell nutzen. Dennoch bleiben noch rechtliche Fragen offen.
Siehe auch
Literatur
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Weblinks
Wiktionary: GlĂźcksspiel
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wiktionary: Hasardspiel
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wiktionary: Wettspiel
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wikisource: Gesetz, betreffend die SchlieĂung und Beschränkung der Ăśffentlichen Spielbanken (Norddeutscher Bund, 1868)
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⢠Portal zum Thema Glßcksspielsucht, mit Online-Selbsttest, Bundeszentrale fßr gesundheitliche Aufklärung
⢠Rechtliche Rahmenbedingungen fĂźr Ăśffentliches GlĂźcksspiel in Deutschland, Ăsterreich und der Schweiz
⢠Spielerschutz Berlin Informationen rund um Glßcksspielsucht und die MÜglichkeiten der Spielersperre
Einzelnachweise
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cite-note-1717. â Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 9. Oktober 1984 (C 20.82), Volltext
cite-note-1818. â Reichsgericht, Urteil vom 18. Mai 1928 (I 977/27), Entscheidungen des Reichsgerichts in Strafsachen, Band 62, S. 163â173, dort S. 167.
cite-note-1919. â Reichsgericht, Urteil vom 18. Mai 1928 (I 977/27), Entscheidungen des Reichsgerichts in Strafsachen, Band 62, S. 163â173, dort S. 164
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